• 19. Aug

Warum Vergleiche mit anderen Autorinnen so erschöpfend sein können

Warum verunsichern dich andere Autorinnen? Erfahre, wie soziale Vergleiche entstehen, warum sie belasten und wie du deinen eigenen Schreibweg stärkst.

Du öffnest Instagram, eigentlich nur für ein paar Minuten. Die erste Autorin verkündet den Vertrag mit einem Verlag. Die nächste feiert tausend Vorbestellungen. Eine dritte zeigt ihren perfekt organisierten Schreiballtag, während eine vierte erzählt, dass sie ihren Roman in drei Monaten beendet hat.

Als du das Handy wieder weglegst, ist nichts in deinem eigenen Schreibprojekt passiert.

Und trotzdem fühlt sich etwas anders an.

Das Kapitel, auf das du gestern noch stolz warst, wirkt plötzlich unbedeutend. Dein eigenes Tempo erscheint zu langsam. Die Freude darüber, überhaupt wieder geschrieben zu haben, wird von dem Gedanken verdrängt, dass andere offenbar längst weiter sind.

In solchen Momenten entsteht leicht der Wunsch, sich einfach nicht mehr zu vergleichen.

Doch so einfach funktioniert unser Gehirn nicht.

Vergleiche gehören zu unserem Menschsein. Belastend werden sie erst dann, wenn wir beginnen, aus ihnen Rückschlüsse auf unseren eigenen Wert und unseren Schreibweg zu ziehen.

Sich zu vergleichen ist zunächst etwas ganz Normales

Menschen vergleichen sich ständig. Nicht nur beim Schreiben, sondern in nahezu allen Lebensbereichen.

Wir beobachten andere, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo wir selbst stehen. Dieses Einordnen hilft uns dabei, Entscheidungen zu treffen, Erwartungen zu entwickeln und unsere eigene Entwicklung besser einschätzen zu können.

Der Vergleich selbst ist deshalb kein Fehler.

Auch Autorinnen vergleichen sich nicht deshalb mit anderen, weil sie neidisch oder missgünstig sind.

Sie versuchen häufig einfach herauszufinden, ob sie auf dem richtigen Weg sind.

Erst die Bedeutung, die wir dem Vergleich geben, entscheidet darüber, ob daraus Orientierung oder Belastung entsteht.

Wenn der Erfolg anderer zum Maßstab für den eigenen Wert wird

Stell dir vor, eine Autorin veröffentlicht ihr Debüt und erreicht innerhalb weniger Wochen hohe Verkaufszahlen. Diese Information allein löst noch kein unangenehmes Gefühl aus.

Belastend wird sie häufig erst durch die Gedanken, die unmittelbar folgen.

"Wenn sie das schafft, warum gelingt es mir nicht?"

"Ich müsste eigentlich schon weiter sein."

"Vielleicht schreibe ich einfach nicht gut genug."

Plötzlich geht es nicht mehr um die andere Autorin und deren Meilenstein, der objektiv betrachtet gar nichts mit einem selbst zu tun hat.

Es geht um die eigene Bewertung.

Der Erfolg einer anderen Person wird unbewusst zum Beweis dafür, dass mit dem eigenen Weg (und letztendlich auch Wert) etwas nicht stimmt.

Dabei sagt der Erfolg anderer zunächst nur eines aus: Dass diese Person gerade einen anderen Weg geht als du.

Nicht mehr.

Warum Social Media diesen Mechanismus verstärkt

Gerade für Autorinnen ist Social Media oft gleichzeitig Inspirationsquelle, Marketinginstrument und Ort des Austauschs. Doch dort begegnen wir selten dem gesamten Bild – was wir eigentlich auch tief in uns wissen.

Wir sehen Veröffentlichungen. Cover-Reveals. Verträge. Bestsellerlisten. Auszeichnungen. Follower-Meilensteine.

Was meist unsichtbar bleibt, sind die Monate voller Überarbeitungen, verworfener Manuskripte, Absagen, Zweifel oder Pausen. Über das „Scheitern“ redet man zwar auf Social Media immer mehr, aber trotzdem gleichen die meisten Feeds einem Highlight-Reel.

Unser Gehirn vergleicht deshalb häufig zwei völlig unterschiedliche Dinge:

Den sorgfältig ausgewählten Ausschnitt aus dem Leben anderer mit unserem vollständigen Alltag. Dieser Vergleich kann kaum fair ausfallen. Nicht, weil andere etwas falsch machen. Sondern weil wir Informationen miteinander vergleichen, die unterschiedlich vollständig sind.

Warum gerade Autorinnen besonders anfällig für solche Vergleiche sind

Schreiben ist mehr als ein Handwerk.

Für viele Autorinnen ist es eng mit der eigenen Identität verbunden. Ein Roman entsteht oft über Monate oder Jahre. Er enthält Gedanken, Erfahrungen und viel persönliche Kreativität jeweiliger Lebensabschnitte. Deshalb fühlen sich Rückmeldungen zum Schreiben selten neutral an.

Wenn dann andere scheinbar schneller veröffentlichen, größere Reichweiten erzielen oder mehr Bücher verkaufen, entsteht leicht der Eindruck, dass nicht nur das eigene Projekt hinterherhinkt, sondern man selbst.

Dabei vermischen sich zwei völlig unterschiedliche Ebenen: der Erfolg eines Buches und und der Wert eines Menschen.

Je stärker diese beiden Bereiche miteinander verbunden werden, desto belastender werden soziale Vergleiche.

Eine kleine Szene aus dem Autorenalltag

Anna Autorin beendet zufrieden ihre Schreibsession an ihrem Debütroman. Sie hat endlich eine schwierige Szene gelöst, an der sie mehrere Tage gearbeitet hat. Glücksgefühl durchströmt sie und Euphorie kribbelt in ihren Fingern.

Beim Abendessen öffnet sie noch kurz ihr Handy. Eine andere Autorin berichtet gerade von ihrem fünften Buchvertrag.

Innerhalb weniger Minuten verändert sich die Stimmung. Nicht, weil das eigene Kapitel durch diesen Post schlechter geworden wäre, sondern weil sich der innere Maßstab verschoben hat.

Was eben noch ein Erfolg war, fühlt sich plötzlich unzureichend an.

Den eigenen Maßstab wiederfinden

Nun könnte man ja jetzt sagen: Halt dich von Social Media fern, dann ist das Problem gelöst. So einfach ist es aber nicht und das wissen wir alle.

Vergleiche werden meist nicht dadurch weniger, dass wir sie verbieten. Hilfreicher ist es, ihre Wirkung bewusster wahrzunehmen. Vielleicht bemerkst du künftig den Moment, in dem aus einer Information eine Bewertung wird.

Aus: "Sie hat einen Buchvertrag." wird: "Ich bin nicht erfolgreich genug."

Zwischen diesen beiden Gedanken liegt ein entscheidender Unterschied.

Der erste beschreibt eine Tatsache. Der zweite ist eine Interpretation.

Je häufiger wir diese beiden Ebenen auseinanderhalten, desto leichter fällt es, den eigenen Weg nicht ständig durch die Erfolge anderer zu beurteilen. Ebenso hilfreich kann es sein, sich regelmäßig an den eigenen Ausgangspunkt zu erinnern. Vielleicht schreibst du heute regelmäßiger als noch vor einem Jahr. Vielleicht gehst du gelassener mit Überarbeitungen um. Vielleicht hast du gelernt, Pausen zuzulassen, ohne dein gesamtes Projekt infrage zu stellen.

Auch das ist Entwicklung.

Sie lässt sich nur nicht immer in Likes, Verkaufszahlen oder Reichweite messen.

Der fairste Vergleich, den du anstellen kannst, ist der mit dir selbst.
(Sofern du überhaupt vergleichen musst.)

Dein Schreibweg muss nicht aussehen wie der einer anderen Autorin

Es wird wahrscheinlich immer Autorinnen geben, die schneller schreiben, häufiger veröffentlichen oder größere Erfolge feiern. Genauso wird es immer Menschen geben, die sich an deinem Weg orientieren. Beides sagt wenig darüber aus, ob dein Tempo richtig ist.

Der Erfolg anderer nimmt deinem eigenen Weg nichts weg. Er entscheidet weder über dein Talent noch darüber, wie wertvoll deine Geschichten sind.

Vielleicht besteht die wichtigste Veränderung deshalb nicht darin, nie wieder Vergleiche anzustellen, sondern darin, ihnen nicht länger die Aufgabe zu geben, über deinen Wert als Autorin zu entscheiden.


Wenn du dir einen Schreiballtag wünschst, der von Freude, Kreativität und innerer Stabilität geprägt ist, statt von ständigem Leistungsdruck und nicht weißt, wie du das selbst hinbekommen kannst, helfe ich dir in einem individuellen Coaching gern dabei.

Bis dahin alles Liebe,

Kirima von Libellenseele 💜

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